Hedwig und Nathalie

 

 

 

 

Wenn meine Tochter Nathalie und ich aus der Hoteltüre treten und gleich von Passanten Fotoapparate gezückt werden, dann ist es für mich schon die erste Bestätigung, dass meine Kostüme, die ich mit viel Freude und Eifer gestaltet habe, gut ankommen. Ich genieße die vielen Bewunderungen und "bellissima". Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich lächle, wenn ich fotografiert werde - alles überflüssig, denn ich bin jetzt jemand anderes, immer mit dem gleichen Gesichtsausdruck. Geduldig erfülle ich die vielen Wünsche der "Schnellknipser" für ein gemeinsames Foto, dränge gelegentlich auch vorwärts, wenn es mir zu viel wird. Es gibt Leute, die sich dabei fast schüchtern verhalten, Kinder, die sich kaum trauen, oder junge Männer, die einen tiefen Blickkontakt suchen. Das amüsiert mich natürlich besonders hinter meiner Maske, denn keiner ahnt ja, wer sich dahinter verbirgt.

Erschreckend war es für mich, zusehen zu müssen, dass ein älterer "Fotoeifriger" vor lauter Begeisterung auf den glitschigen Stufen an der Lagune ausglitt und mit beiden Beinen ins Wasser rutschte. Ich ahnte, dass es passieren würde, konnte es aber von meiner Position am Steg aus nicht verhindern.

Interessant ist natürlich die Fotosession mit den Profis. Trauben von Fotografen drängen sich um einen guten Platz. Jeder beschäftigt sich eine Weile mit seinem Objekt, das geduldig seinen kleinen Anweisungen folgt. Dann zieht er mit einem befriedigten Siegeslächeln ab, suchend zum nächsten Objekt. Für einen Profifotografen an einer besonders fotogenen Kulisse zu posieren, ist großartig. Dabei genieße ich immer den Anblick dieser besonderen Stadt. Ich präsentiere mich mit meinem Kostüm gerne, bemühe mich, ein gutes Bild abzugeben in verschiedenen Posen. Ich erkenne dabei den Blick des Fotografen für das Schöne und bin einig mit meinem Gegenüber.

Wenn dann meine Tochter und ich weiterschreiten, uns dabei unterhalten und anschauen und sich im Angesicht des anderen nichts verändert, ist das schon eigenartig und zugleich ein schöner Anblick.

Lustig war es, als auf dem wunderschönen weißen Lilienhut meiner Tochter ein Taubenkot landete. Sie posierte gerade unter einem Kandelaber, dem Taubelandeplatz. Der herbei eilende besorgte Papa konnte aber dank Spucke alles bestens bereinigen. Auch diese Szene wurde natürlich von schnellen Abdrückern bildlich festgehalten.

Wieder daheim in Nürnberg, freuen wir uns über jede Bild- und Fotosendung, den schönen Ergebnissen und bekommen Lust auf ein neues Kostüm.