Bayer Family

 

 

 

 

Wenn wir aus einer Seitengasse auf den Markusplatz kommen, bildet sich sofort eine Menschentraube zum Fotografieren und es dauert an manchen Tagen Stunden, bis man sich zum Wasser, unserem bevorzugten Standort, vorgekämpft hat. Unsere Tochter Katharine wechselt den Standort, wenn die Zahl der Kameras unter 20 sinkt!!! Viele wollen mit auf das Bild, manche fragen höflich (posso?), einige geben Kommandos (bleib stehen). Es gibt welche, die wollen ein Bild machen und haben ihre Kamera noch eingepackt, manche haben den Deckel auf der Linse, den Finger davor, eine Zigarette in der Hand und in der anderen das Handy oder wissen nicht, wie der Blitz funktioniert. Vorne am Wasser haben wir schon Fotografen ausrutschen und ins Wasser fallen sehen, wenn sie auf den rutschigen Treppen nicht aufgepasst haben. Die Hobby- und Profifotografen gehen auf die Knie oder legen sich auf den Boden, um einen ordentlichen Hintergrund zu bekommen. Manche führen uns zu einem geeignet erscheinenden Hintergrund, stellen uns ins Licht oder kommen auf kürzeste Distanz heran, um nur die Maske zu fotografieren, die Augen hinter der Maske oder den Handschmuck. Viele halten uns für Italiener und fragen, wo man die Kostüme kaufen kann oder was wir mit dem Kostüm aussagen wollen (Antwort: die Kostüme sind selbst gemacht und wir wollen Spaß haben und anderen in diesem einzigartigen und von uns geliebten Venedig Freude bereiten). Manche Fotografen warten ewig auf die von ihnen gewünschte Pose, während wir versuchen, reihum mit offenen Augen in möglichst viele Linsen zu schauen. Viele Menschen stehen einfach nur da und mustern uns minutenlang. Eine besondere Herausforderung für manche Fotografen ist der Spiegel, den Mary immer dabei hat. Die Regel Einfallswinkel = Ausfallswinkel beherrscht sie routiniert. Das Klicken der Kameras und das Blitzlichtgewitter kann fast süchtig machen. Solange wir den Eindruck haben, dass sich Menschen am Anblick unserer Kostüme erfreuen, sind wir dabei. Wenn wir dann auch noch Fotos zugeschickt bekommen, im Internet, auf Kalendern, Postkarten, in Reiseführern und Bildbänden auftauchen, wissen wir, dass auch andere daran Freude haben. Es gibt wohl keinen Ort der Erde, an dem man dieses geballte Maß an Kreativität und Phantasie so bewundern kann wie in Venedig zur Zeit des Carnevale.

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